Roter Honig

Honig der high macht

Als Imker bekommt man von Zeit zu Zeit auch die Frage nach ganz speziellen Honigsorten gestellt. Denn es ranken sich viele Mythen um den roten Honig aus fernen Ländern der mit speziellen Wirkungen in Verbindung gebracht wird. Einer von diesen “speziellen” Sorten soll der Honig aus Nepal oder noch spezieller, dem Himalaya sein, dem eine psychedelische Wirkung nachgesagt wird.

Honig aus Nepal

In Nepal, dem am höchstgelegenen Land der Erde, wird ein ganz besonderer Honig geerntet. 40 % des Landes liegen über 3.000 Meter. Da kann man es sich hierzulande schwer vorstellen, dass auch in diesen hohen Regionen des Bergmassivs des Himalayas Bienen leben. Es handelt sich hierbei um Wildbienen, die sogenannten Kliffhonigbienen oder auch Himalaya-Klippen-Bienen. Dieses sind die größten Bienen der Welt. Sie sind knapp 3 cm. lang und bauen ihre Bienenstöcke an die steilen Felswänden des Massivs.

Allein die Herkunft des Honigs macht diesen besonders. Denn das Sammeln dieses seltenen Honigs birgt gewisse Gefahren in sich. Nicht nur, dass die Wildbienen ihren Stock und den Honig verteidigen auch der Sammler schwebt im wahrsten Sinn des Wortes in Lebensgefahr. An Strickleitern hangeln diese sich die Klippen hinab um an den Honig zu gelangen und diesen aus den Felswänden zu schneiden. Stürzt ein Kletterer ab, endet dies meist tödlich.

Macht der Rhododendron-Nektar high?

Die Pflanzenwelt in Nepal ist einzigartig. Unter anderem wächst dort in freier Natur auch der Rhododendron. Dieser soll dafür verantwortlich sein, dass der aus seinem Nektar gewonnene Honig ”high” machenden Eigenschaften besitzt. Denn die im Rhododendron-Nektar enthaltenen Giftstoffe sollen eine psychedelische Wirkung entfalten.
Die Wirkung soll sich irgendwo zwischen LSD und Ayahuasca bewegen. LSD, das Lysergsäurediethylamid, ist eines der stärksten bekannten Halluzinogene. Ayahuasca ist ein psychodelisch wirkender Pflanzensud, der von verschiedenen Amazonas-Ethnien bei zeremoniellen Ritualen Verwendung findet.

Grayanotoxin, nicht nur halluzinogen, sondern auch gefährlich

Grayanotoxine sind Neurotoxine, welche von diversen Pflanzen produziert werden. In ihrer Wirkung aktivieren sie Natriumionenkanäle im Körper. Schon lange bekannt ist die Wirkung im Honig, der aus dem Nektar des Rhododendron ponticum gewonnen wird.
Die Vergiftungen mit dieser Substanz gehen mit Übelkeit, Schwindel, Schwäche und niedrigem Blutdruck einher.
Ist die Dosierung zu hoch, können lebensbedrohliche Vergiftungen hervorgerufen werden. Daher ist er nicht nur halluzinogen, sondern auch gefährlich.

Psychedelischer Honig. Keine Erfindung unsere Zeit, sondern schon seit mehr als zweitausend Jahren bekannt.

Pontischer Honig

Dass der Honig aus dem Rhododendron high machen kann, ist schon lange bekannt. Bereits um 400 vor Christus sollen Griechen bei der Rückkehr aus der Schwarzmeerregion Honig mit psychedelischer Wirkung gegessen haben.
Die Schwarzmeerregion wird auch als Pontische Region (zum Schwarzen Meer gehörig) bezeichnet. Daher ist dieser Honig auch als Pontischer Honig bekannt. Andere Bezeichnungen sind auch Tollhonig, Giftiger Honig oder Türkischer Wildhonig.

Pontischer Honig als Aphrodisiakum

Pontischer Honig wird in manchen Kreisen als Aphrodisiakum angesehen, weshalb er – abgesehen von der psychedelischen Wirkung – noch heute gegessen wird.
In der medizinischen Literatur ist hierzu ein seltener, aber kurioser Fall beschrieben, bei dem wegen des Verzehrs von Pontischem Honig statt der Nebenwirkung des Honigs, ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde und der Patient falsch behandelt wurde.

Noch mehr giftiger Honig

Giftiger Honig wird aus weiteren Teilen der Welt beschrieben. Lorbeerrosen aus Nordamerika sollen in seltenen Fällen giftigen Honig geliefert haben. Ebenso der Honig der Tutapflanze aus Neuseeland.
Auch in Deutschland gibt es ab und zu Berichte zu giftigem Honig. So soll zum Beispiel das Jakobskreuzkraut in Verdacht stehen, über den Honig giftig zu wirken.
Der Wirkstoff, der im Jakobskreuzkraut giftig wirkt sind die Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA. Diese wirken in großen Mengen tödlich auf Rinder oder Pferde.

PAs im Honig im Landkreis Karlsruhe

Dennoch müssen wir uns in der Region Karlsruhe und speziell hier in der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten keine allzu grossen Sorgen machen. Denn größere Vorkommen an Jakobskreuzkraut gibt es hier nicht. Weiterhin äußern sich Honigexperten dahingehend, dass die Honigbiene das Jakobkreuzkraut nicht anfliegen würde, wenn in der näheren Umgebung der Bienenstöcke genügend anderer Nektar zur Verfügung stehen würde.
In der Literatur konnte ich keinen beschriebenen Fall für eine Vergiftung eines Menschen mit einen durch Jakobskreuzkraut vergifteten Honig finden. Auch weitere Berichte über andere toxische Pflanzen, welche durch unsere heimische Honigbiene angeflogen werden, ließen sich nicht finden.

Daher mein Tipp, kaufen Sie Ihren Honig in der Heimat, bei Ihrem regionalen Imker!