Dürfen Babys Honig essen?

Obwohl Honig viele gute Eigenschaften und Inhaltsstoffe besitzt, wie ich in dem Post “Honig als Heilmittel” gezeigt habe, sollte man bei Babys und Kleinkinder im ersten Lebensjahr vorsichtig sein.

Darf ein Baby Honig essen?

Bei der Frage, ob ein Baby Honig essen darf, fällt mir eine Redewendung ein, die sagt, dass das Gegenteil von gut nicht schlecht sei, sondern lediglich gut gemeint. Und wie in jeder Redewendung steckt auch hier ein Fünkchen Wahrheit drin.
Gerade junge Eltern wollen für ihren neuen Familienzuwachs nur das Beste. Doch manchmal stellen sich dann Herausforderungen, bei deren Bewältigung, die Hilfe anderer gesucht wird. Und hierbei werden unter Umständen dann Ratschläge in guter Absicht weitergegeben, die zwar für den Moment helfen, sich aber auf andere Art und Weise – zum Teil erst später – negativ auswirken können. So sind zum Beispiel zwei der bekannten Ratschläge den Tee für Kinder mit Honig zu süßen oder sollte das Baby nicht aus der Brust trinken wollen, die Nippel mit Honig einzuschmieren. In der Praxis mag das ganz gut funktionieren und ein Erfolg ist sofort messbar. Durch die Süße des Honigs schmeckt der Tee besser und unter Umständen wird auch die Brust für das Baby interessanter. Dennoch ist davon abzuraten.

 

Darum sollten Babys keinen Honig essen

Auf den ersten Blick denken viele jetzt sicher an das Problem von Karies bei Kleinkindern. Obwohl jedes Baby schon vor der Geburt Milchzähne hat, die im Kieferknochen angelegt sind, ist dies nur ein wichtiges, aber sekundäres Problem. Die Milchzähne schieben sich in der Regel ab dem 8. Monat nach und nach aus dem Kiefer hervor.
Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass dann bis zu diesem Zeitpunkt der Konsum von Honig unschädlich sei. Dies stimmt jedoch nur bedingt. Denn das weitaus größere Problem ist nicht dies der Karies, sondern die einer lähmenden Vergiftung der Babys.

 

Clostridium Botulinum, ein lähmendes Gift

Honig ist in der Regel frei von Bakterien und anderen Keimen (Link zum Artikel “Honig als Heilmittel”). Dies gilt jedoch nur für den Honig, vor seiner Verarbeitung, also den Honig der noch im Stock ist. Danach können Bakterien aus der Umwelt in den Honig gelangen. Wenn dies passiert, dann häufig bei dessen Verarbeitung.
Während erwachsene Menschen in der Regel keine Probleme mit kleinen Verunreinigungen haben, kann des bei Babys und Kleinkinder zu Komplikationen kommen. Gefährlich kann der Erreger Clostridium botulinum sein. Dies ist ein Bakterium, dass dann eine Lebensmittelvergiftung hervorrufen kann. In anderer Form ist der Botulismus häufiger bekannt. In früheren Zeiten, als die Menschen noch selbst Konserven hergestellt haben, zum Beispiel bei der Hausschlachtung, kam es ab und zu vor, dass sich eine Dose aufblähte. Dies kann ein Anzeichen sein, dass sich darin das Bakterium befindet und ein Gift gebildet hat. Früher wusste daher jeder, dass man von solchen Konserven die Finger lassen sollte.
Weniger bekannt dagegen ist der durch diese Bakterien im Honig ausgelöste Säuglingsbotulismus.

 

Säuglingsbotulismus – selbst geringe Mengen sind gefährlich

Bei sogenannten Säuglingsbotulismus verunreinigen Umweltbakterien den Honig. Diese bilden im Honig dann ein Toxin, also ein Gift, welche für den erwachsenen Menschen üblicherweise unschädlich ist, da es in solch geringen Mengen vorkommt. Jedoch bei Babys und kleinen Kindern unter einem Jahr kann das Bakterium schon in geringen Mengen eine paralyse, also eine Lähmung des Darms hervorrufen. Dies Lähmung kann dazu führen, dass der Darm nicht mehr richtig arbeiten und den Kot abtransportieren kann, was dazu führt, dass das Baby eine Verstopfung bekommt. Dadurch, dass sich nun der Kot staut, können sich die Bakterien im Darm sehr schnell vermehren. Das durch die Bakterien produzierte Gift kann dann in das Blut übergehen und sich so im ganzen Körper verteilen.

Dürfen Babies Honig essen?

Was genau macht das Gift Botulinustoxin?

Das Gift wird Botulinustoxin, oder kurz auch Botox genannt. Wer jetzt beim Thema Botox an die Schönheitsoperationen denkt, liegt richtig. In der Schönheitsmedizin wird Botox angewendet, um zum Beispiel ein paar Fältchen zu straffen. Dies funktioniert dadurch, dass das Gift, welches an die Falten gespritzt wird, die Muskeln lähmt oder zumindest aber entspannt. Durch die Lähmung der für die Faltenbildung zuständigen Muskeln strafft sich die Haut wieder.
Was für die Falten ein gewollter Effekt ist, wirkt sich sehr schnell und sehr schlimm aus, wenn das Gift in größeren Mengen in den Blutkreislauf kommt. Dann nämlich kann es zu einer ungewollten Lähmung von Muskeln kommen. Hiervon können dann alle Muskeln betroffen sein. Egal ob bei den Muskeln, die für die Motorik, also die Arme oder Beine, die Mimik, also die Muskeln im Gesicht bis hin zu den Muskeln, die für das Schlucken oder die Atmung zuständig sind, können Lähmungserscheinungen auftreten.
Da Babys sich nicht artikulieren können, ist dies dann besonders gefährlich.

 

Warum kommt eine Botox-Vergiftung durch Honig nur bei Säuglingen vor?

Eine Vergiftung von Säuglingen durch Botox im Honig ist erfreulicherweise sehr selten. Dennoch ist die Frage berechtigt, warum dies hauptsächlich nur Säuglinge betrifft?
Es hat sich gezeigt, dass hauptsächlich Kinder in der ersten Hälfte des ersten Lebensjahres besonders auf das Bakterium reagieren. In diesem Zeitraum ist der Darm der Babys noch relativ ungeschützt und es fällt dem Keim leicht, sich dort anzusiedeln. Warum das bei älteren Kindern und Erwachsenen nicht mehr der Fall ist, konnte nach meinem Kenntnisstand noch nicht vollständig geklärt werden. Es wird aber vermutet, dass die Entwicklung des Darmes dann soweit fortgeschritten ist, dass bei einem gesunden Menschen der Darm sich gegen die Einnistung des Bakteriums sehr gut wehren kann.

 

Ist der Imker schuld an der Verunreinigung?

Die Bakterien, die die Vergiftung auslösen, kommen in der Regel durch eine natürliche Verunreinigung in den Honig. Die Quellen hierfür sind vielfältig. Auch wenn der Honig aufgrund seines Milieus, eigentlich eine “sterile” Umgebung darstellt, können dennoch einzelne Bestandteile verunreinigt sein. So zum Beispiel die Pollen, die sich im Honig befinden. Auch kann die Biene selbst das Bakterium in sich tragen, ohne dass dies auffällt. Ebenso kann der Erreger über die Luft, den Nektar den die Biene sammelt oder über die Erde in den Honig gelangen.
Selbst bei sorgfältiger Arbeit des Imkers kann dies nicht in Gänze verhindert werden.
Beim erwachsenen Menschen ist die Darmflora jedoch soweit entwickelt, dass es in der Regel zu keinerlei Beschwerden kommt. Anders beim Baby, dessen Darmflora sich erst entwickeln muss.

 

Ab wann können Kinder Honig essen

Häufig bekommt man daher als Imker die Frage gestellt, ab wann Kinder Honig essen können? Aus den oben genannten Gesichtspunkten heraus, also in Bezug auf das Botox-Bakterium geht die Literatur davon aus, dass die große Gefahr im ersten halben Lebensjahr liegt. Um jedoch auf Nummer sicher zu gehen, wird empfohlen, innerhalb des ersten Lebensjahres, also innerhalb der ersten 12 Monate, komplett auf die Fütterung von Honig zu verzichten. Egal in welcher Form.